Von den Anfängen ...

In der Gruft der heutigen Konkordienkirche befindet sich ein schlichter Zinnsarg (Bild), der mit 10 großen Löwenköpfen geschmückt ist, jeder mit einem eisernen Tragering im Maule. Doch fehlt jede zeitgenössische Inschrift, die uns den Namen der hier zur letzten Ruhe Gebetteten nennt. Siegfried Heinzelmann hat in seinem Buch „Evangelische Kirche in Mannheim“ (1965) versucht, das wechselvolle Schicksal dieses Sarges zu schildern und kommt zu dem Schluss, dass es sich hier um Raugräfin Louise von Degenfeld handeln müsse. Als man den Sarg 1823 auf der wallonischen Begräbnisstätte in R 2 fand, bemühte sich Kirchenrat Pfarrer Ahles, dessen Gedenktafel man in der Gruft der Konkordienkirche findet, um eine würdige Unterbringung. Seitdem trägt der Sarg die Aufschrift: „In der wallonischen Kirche vorgefundene Gebeine der Raugräfin von Degenfeld. Aufs neue beigesetzt am 21. Oktober 1823“.

Louise von Degenfeld war die zweite, illegitime Gemahlin des Kurfürsten Carl Ludwig von der Pfalz (Bild links), dem Mannheim die ersten Stadtrechte von 1652 verdankt. Wichtiger sind aber in diesem Zusammenhang seine kirchlichen Unionsbestrebungen. Als letzten seiner vielen Versuche in dieser Hinsicht darf die bei der Zerstörung Mannheims 1689 untergegangene „Eintrachtskirche“ in der Friedrichsburg gelten, die einst zwischen Schlosskirche und Bretzenheimschen Palais (Rheinische Hypothekenbank) stand. Dem Willen des Kurfürsten Carl Ludwig entsprechend, gab man der Kirche den Namen „Zur heiligen Eintracht“ oder latinisiert „Konkordienkirche“.

Die im 17. Jahrhundert ungewöhnliche Konfessionspolitik Carl Ludwigs (1648-1680) verdient gerade heute, in der Zeit weit verbreiteter ökumenischer Bestrebungen, besondere Beachtung. Leider konnte sie nicht verwirklicht werden. Als die zweite Gemahlin Carl Ludwigs, die schön gewachsene Raugräfin Louise von Degenfeld am 18. März 1677 an den Folgen ihrer 14. Schwangerschaft starb, erhob der Kurfürst die Eintrachtskirche zur Grablege für sich und seine Gemahlin. Am 29. März des gleichen Jahres traf man die Vorbereitungen zur Grundsteinlegung. Fünf Tage später wurde der Sarg der Raugräfin nachts bei Fackelschein in der eilig auf der Baustelle gemauerten Gruft bestattet.

Im Sommer 1680 war die Kirche vollendet. Im selben Jahr starb der Kurfürst.Wichtig und wesentlich ist, dass er 1679 von dem erfahrenen Münzmeister Johannes Linck eine Silbermedaille von 40 mm Durchmesser prägen ließ (Die Abbildung rechts zeigt die Vorder- und Rückseite), die als einziges Dokument uns eine Vorstellung der Eintrachtskirche in der Festung Friedrichsburg gibt. Als Vorbild diente die „Nieuwe Kerk“ in Den Haag. Man erkennt auf der Medaille die Längsseite der Kirche, einen rechteckigen Saalbau mit je einem eingezogenen, im Halbkreis geschlossenen Chor an den Schmalseiten. Die Kirche hatte Emporen. Gewölbe und Wandflächen hatte der Maler Antonio Maria Bernardi aus Bologna mit den allegorischen Gestalten Macht, Weisheit, Frömmigkeit und Frieden versehen. Von besonderer Bedeutung ist die über dem Aufriss der Kirche auf der Medaille angebrachte Umschrift „5. Concordiae“. Damit wollte Kurfürst Carl Ludwig der Nachwelt ein Zeichen seiner Union Bestrebungen setzen.

Es ist bezeugt, dass seine Gattin Louise von Degenfeld mit ihrer früh verstorbenen Tochter Friederike zunächst in der Gruft der Eintrachtskirche beigesetzt wurde. Baumeister war Johann Peter Wachter, der es durch seine Tüchtigkeit vom einfachen Bauschreiber zum Hofkammerrat und Leiter des kurfürstlichen Bauamts gebracht hatte. Gehen wir der Geschichte der reformierten Kirche in der Bürgerstadt Mannheim nach, so bleibt zu bemerken, dass man schon zu Zeiten des Kurfürsten Carl Ludwig den Gedanken fasste, für die deutsche und französisch reformierte Gemeinde (Wallonen) im Quadrat R 2 eine Kirche zu erstellen. Es sollte ein Gotteshaus für zwei verbrüderte, aber im Gottesdienst durch die Sprachen getrennte Gemeinden geschaffen werden. Wiederum zog man den bewährten Baumeister Johann Peter Wachter heran (Der Kupferstich links von P. Cloeter aus dem Jahr 1685 zeigt diesen Entwurf).

Er löste die Aufgabe durch die Kombination zweier Flügelbauten mit einem gemeinsamen Mittelturm, der ganz allgemein an niederländische Rathausbauten erinnert. Dieser aufwändige Aufriss Wachters kam, der hohen Kosten wegen, nicht zur Durchführung, man musste sich mit einem bescheideneren Bauwerk begnügen. Immerhin hat Wachers Entwurf im 18. Jahrhundert auf die Doppelanlagen des Mannheimer Kaufhauses und des mit der katholischen St. Sebastianskirche verbundenen Rathauses nicht unwesentlich eingewirkt. Der nach dem endgültigen zweiten Plan errichtete Bau der reformierten Doppelkirche, wurde 1685 in Angriff genommen und war kurz vor dem Orleansschen Erbfolgekrieg vollendet. 1689 fiel er der Zerstörung durch die Franzosen zum Opfer.